VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Im Jahr 2006 wollte der Getränkekonzern Red Bull beim TSV 1860 einsteigen, das war zumindest die Vision des inzwischen verstorbenen Visionärs Didi Mateschitz. An der Grünwalder Straße 114 versperrte man sich diesen revolutionären Planspielen, auch aus Angst, dass der Löwe möglicherweise gegen den Bullen eingetauscht werden könnte. Wer weiß, wo der Altmeister von 1966 heute sportlich und wirtschaftlich stehen würde...

Nun hat das Brause-Unternehmen aus Fuschl einen neuen Fußballverein gefunden, der kurioserweise auch mit 1860 München viele Gemeinsamkeiten hat: Im Jahr 2000 duellierten sich die Klubs in der Champions League-Qualifikation, Leeds entschied am Ende beide Duelle glücklich für sich (2:1, 1:0) und schaffte es in diesem Wettbewerb sogar bis ins Halbfinale, 1860 spielte im Uefa-Cup.

Es war der Höhepunkt für beide Klubs in den letzten 30 Jahren, danach begann für Leeds und 1860 jeweils die Talfahrt: Die Löwen stürzten bis in die viertklassige Regionalliga Bayern ab, Leeds stieg 2008 in die Drittklassigkeit ab, gepaart mit großen finanziellen Problemen und Stress mit der eigenen Fanszene. Z020 gelang die Rückkehr in die Premier League. Es war aber nur ein kurzes Intermezzo. 2023 stieg Leeds als Tabellen-19. wieder ab. Kurz vor dem Abstieg verkaufte Andrea Radrizzani seinen Anteil an Leeds United für 170 Millionen Pfund an 49ers Enterprises, die Investmentsparte der San Francisco 49ers. Und weil starke Investoren nicht genug sind, sicherte sich Red Bull im Mai 2024 über mehrere Jahre eine Minderheitsbeteilung bei Leeds und wird ab dieser Saison zudem Trikotsponsor. “Das Ziel, Leeds United zurück in die Premier League zu bringen und sich in der besten Fußballliga der Welt zu etablieren, passt sehr gut zu Red Bull”, wurde Oliver Mintzlaff, heutiger CEO von Red Bull, nach dem Deal zitiert. Ein kluger Schachzug des Brause-Unternehmens.

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Auch Leeds United, das vom deutschen Coach Daniel Farke trainiert wird und in der vergangenen Saison knapp den Aufstieg verpasste, ist glücklich ob der neuen Möglichkeiten. “Ich bin begeistert, dass Red Bull sich uns anschließt, um eine glänzende Zukunft für Leeds United aufzubauen und unseren tiefen Respekt für diesen wirklich besonderen Verein teilt”, erklärte Paraag Marathe, der Vorsitzende des Traditionsklubs. Der aktuelle Marktwert der Mannschaft beträgt 211 Millionen Euro.

Und die Löwen? Potente Sponsoren sind nicht zu finden. Der Klub versucht mit einem Mini-Etat von 4,5 Millionen Euro einen neuen Anlauf in die Zweite Liga zu nehmen. Ob der Plan aufgeht, wird sich demnächst zeigen. Im Trainingslager in Windischgarsten hat die Giannikis-Elf jedenfalls zwei gute Testspiele gegen Blau-Weiß Linz (1:1) und Racing Straßburg (2:1) hingelegt.